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Film-Satire
Eine
Wanderung im Dunkeln
Die
Gefährten erreichten die Minen von Moria, doch war kein
Eingang zu sehen. Gandalf erklärte, dass Zwergentore
unsichtbar seien, wenn sie geschlossen sind, doch dass man sie
sehen könne, wenn man mit den Händen über die Tür
gleiten und anschließend Mondscheinlicht auf jene Stelle
scheinen würde. Dazu musste man die passenden Worte sagen,
Worte, die eigentlich längst in Mittelerde vergessen waren.
Zufälligerweise fand Gandalf in der Felswand eine glatte
Oberfläche, die er mit den Händen abtastete, dabei
murmelte er unbekannte Worte, die sehr alt waren und die er
zufälligerweise mal irgendwo gelesen hatte. "Jetzt
müssen wir nur noch auf den Mondschein warten", sagte
der Zauberer.
Legolas
hob seinen Arm und blickte auf seine nagelneue Armbanduhr.
"Großes Glück ist uns beschieden", sprach
der Elb. "Bald wird uns der Mond sein Licht spenden." "Was
ist das?" murrte Gimli und zeigte auf die Uhr. "Ein
Geschenk der erhabenen Herrin von Lothlórien,
Galadriel." "Wer braucht solche Zauberdinge, die mir
sagen, wann der Mond erscheint? Ich sehe doch mit meinen Augen,
die besser als die eines Adlers sind, dass der Mond gleich
aufgehen wird." "Oh, diese Uhr vermag viele Dinge zu
tun, mein liebster Gimli. Die edle Frau Galadriel erzählt
mir, dass ihre Zeiger blau aufleuchten würden, wenn Orks in
der Nähe seien. Sie wird uns noch sehr nützlich
sein." Gimli hielt inne und beguckte sich die Uhr aus
nächster Nähe. "Mithril! Pahhh, aber auch dieses
wertvolle Metall macht dein Zauberding nicht nützlicher.
Warte ab, bis wir in den Minen auf meinen Vetter Balin treffen
werden. Er ist ein Meisterhandwerker. Ich habe in lange nicht
gesehen. Ja, wir Zwerge sind fleißig und immer nur am
arbeiten."
Endlich
beleuchtete das Licht des Mondes und der hellen Sterne die
Stellen, die Gandalf zuvor berührt hatte. Silberne Linien
kamen zum Vorschein, die sich durch den Fels zogen, und aus den
Linien wurden Symbole. Elbenschrift! "Die Türen von
Durin, des Herrn von Moria. Sprich, Freund, und tritt ein!"
las Gandalf vor. "Nun ja, es ist ja nicht schwer zu raffen,
was die Zwerge meinen. Ich muss einige magische Worte sprechen
und schon öffnet sich die Tür." Als auch der
fünfte Anlauf Gandalfs kein Ergebnis brachte, setzten sich
die Gefährten in der Nähe der Tür nieder, denn sie
waren sehr müde von ihrer langen Reise. Legolas und Gimli
fingen plötzlich an, sich gegenseitig zu kitzeln, während
Boromir Gänseblümchen zählte. Die vier Hobbits
machten sich über ihr sechstes Abendessen her. Nur Aragorn
war in Gedanken vertieft. Ihn ließ es nicht mehr los, dass
Legolas diese sonderbare Armbanduhr besaß.
Nach
einer Weile schlug Gandalf wütend gegen die Tür.
"Gleich werde ich aber richtig sauer, du dämliche Tür."
Boromir sprang so heftig auf, dass ihm sein gepflückter
Strauß aus Gänseblümchen hinunterfiel. "Das
ist es, Gandalf. Ich habe des Rätsels Lösung. Du hast
den Satz falsch gelesen, wir alle haben ihn falsch gerafft. Wir
müssen ihn so verstehen: Sprich, Freund..." - der
Krieger entfernte sich einige Schritte von der Tür -"...
- nun gut, gesprochen habe ich jetzt genug - und tritt ein."
Boromir nahm Anlauf, sprang kurz vor der Tür in die Höhe
und kam in deren Mitte mit seinen Fußflächen auf, so
dass die Tür mit einem Krachen nachgab und umstürzte.
Der Eingang lag nun offen. "Der Satz meint, dass wir die
Türe eintreten müssen." "Aber ja",
rief Legolas, während er einmal kurz in die Hände
klatschte. Gandalf hingegen blickte nur verkniffen, als würde
ihn keine Freude überkommen. "Das Grauen lauert in
diesen Minen", flüsterte er.
Die
Gefährten betraten die Minen von Moria, nur Gandalfs Stab
konnte ihnen mit seinem Licht den Weg weisen. Eine riesige Höhle
erhob sich vor ihnen und viele Wege verzweigten sich durch die
Gewölbe. Sie mussten Brücken überqueren, an denen
es so tief hinunterging, dass man den Boden nicht sah. Nach einer
Weile blieben sie stehen, denn der Zauberer kannte den Weg nicht
mehr, und so rasteten die Gefährten. "Wir hätten
es wissen müssen", flüsterte Merry Pippin zu. "Als
wir letzte Woche zusammen einkaufen waren, hatte er noch nicht
einmal mehr die drei Waren auf dem Einkaufszettel im Kopf." Frodo
bekundete ein wenig ihr Lager. Weit unten in der Tiefe konnte er
erkennen, wie sich etwas bewegte. Der Hobbit lief sofort zu
Gandalf und erzählte ihm davon. "Ich wollte es euch
nicht mitteilen", sprach der Zauberer bitter, "aber ich
werde wohl nicht drumherum kommen. Dieses Wesen dort unten ist
ein Geldeintreiber. Ich habe seit Monaten nicht mehr die
Rechnungen für mein Pfeifenkraut zahlen können, aber
ich liebe es doch so. Der Kerl verfolgt mich seit drei Tagen,
aber ich darf ihm nicht in die Hände fallen, sonst wird mein
ganzer Vorrat, den ich mit auf die Reise genommen habe,
beschlagnahmt." "Nein", rief Frodo erschreckt.
Die anderen Gefährten drehte sich zu ihnen um. "Nein.",
wiederholte er ganz leise, "Das darf nicht passieren. Wir
sind doch alle süchtig nach dem Zeug und nur dein Vorrat ist
groß genug, dass er für den Rest der Reise reicht.
Merry, Pippin, Sam und ich haben unser Kraut fast aufgebraucht
und vor allem Aragorn schnorrt uns ständig an. Wir werden
dir den Geldeintreiber vom Hals halten." "Nein",
herrschte der Zauberer den Hobbit an. "Viele, die
Pfeifenkraut haben wollen, haben kein Geld, und einige, die Geld
haben, haben kein Pfeifenkraut. Kannst du es ihnen geben?" Frodo
wurde betroffen und seufzte. "Nein, ich kann es ihnen nicht
geben, denn unsere Beutel sind fast leer. Ich wünschte, wir
wären nie süchtig von diesem Zeug geworden, ich
wünschte, es wäre nie passiert." "Das
wünschen sich alle in diesen Zeiten, aber sie können es
nicht entscheiden. Alles, was wir entscheiden können, ist,
was wir mit der Zeit tun, die uns gegeben wurde." "Ja,
du hast recht, und ich habe mich für das Pfeifenkraut
entschieden. Was schlägst du also vor?" "Nur du
wirst auf den Geldeintreiber achten, die anderen müssen
nichts davon wissen." "Mmh, nun gut, aber ich
erwarte dafür eine Extraportion von dem Kraut." "Ich
bin einverstanden, guter Frodo. Du bist ein wahrer Freund.
Wüssten alle von meinen Vorräten und Schulden, würde
sie mir das ganze Kraut nehmen." Gandalf verharrte kurz.
Dann stand er auf und rief: "Ah, wir müssen hier
entlang, ich erinnere mich wieder." Er zwinkerte Frodo zu
und führte die Gefährten weiter in die Minen hinein.
Die
liefen lange Zeit weiter, bis ihnen der Atem versagte, als sich
vor ihnen eine mächtiges Dach erhob, welches von vielen
unzählig hohen Säulen getragen wurde. "Die Stadt
Zwergenbinge", sprach Gimli ehrfürchtig in die
Dunkelheit. "Einst erstrahlte sie von Licht und Glanz."
Die
Gefährten gingen einige Schritte weiter, bis sie eine offene
Eisentüre sahen, hinter der ein Raum lag. "Balins
Werkstatt", rief Gimli erfreut und rannte in den Raum. Doch
dieser war leer, nur in der Mitte stand ein großer
Steinsarkophag. Nicht fertiggestellt. Bin für unbestimmte
Zeit verreist. Balin, war darauf zu lesen. "Nein",
schrie Gimli, kniete vor dem Sarkophag und schlug mit seinem
behelmten Kopf mehrmals dagegen. Tränen kullerten über
seine Wangen. "Nein, nein, nein. Wieso muss er jetzt
verreisen, wenn ich ihn besuchen möchte, das ist nicht fair,
nicht fair. Solange habe ich ihn nicht gesehen." Legolas
fasste dem Zwerg an die Schulter. "Nicht weinen, Liebster,
irgendwann werdet ihr euch wiedersehen." Gandalf hob ein
Buch auf, welches an dem Sarkophag lehnte. In ihm waren alle
Rechnungen, Bestellungen und besonderen Vorkommnisse sowie
Termine verzeichnet. Der Zauberer blätterte im Buch umher
und las aus der letzten Seite vor: "Diese elenden Elben, sie
haben die Brücke genommen und die zweite Halle, sie kaufen
uns alles weg. Dabei sind wir Handwerker, Handwerker, ja, sie
können uns doch nicht einfach Teile von Moria abkaufen, und
dann noch aus Zwergenbinge. Die Tore konnten wir noch vor ihnen
zurückhalten, aber nicht mehr lange. Galadriel fährt
voll auf das goldene Tor mit den Edelsteinen ab, doch sie will
nicht verstehen, dass es wie alle anderen Dinge zu unserer Stadt
gehört und unverkäuflich ist. Ich schenke ihr eine Uhr
aus mithril, in der Hoffnung, sie würde mit ihrem Gefolge
abhauen und uns in Ruhe lassen. Sie nimmt die Uhr dankend an,
aber macht keine Anstalten, Moria zu verlassen. Wir müssen
hier heraus, endlich weg von mir. Wir müssen hier heraus -
Urlaub, wir kommen."
"Vielleicht
sind sie ganz in der Nähe, Balin und seine Arbeitskollegen",
glaubte Pippin. Er schrie so laut, dass seine Stimme laut
widerhallte. "Du Dummkopf von einem Tuk. Jetzt wirst du
die Orks angelockt haben, die hier hausen. Die können wir
nicht gebrauchen. Und was ich noch mehr hoffe - denn sonst werde
ich dich in eine Waldschnepfe verwandeln - dass du das Grauen
nicht aufgeweckt hast." Legolas stürmte hervor und
zeigte den anderen seinen Arm. "Gandalf hat recht! Schaut
nur, die Zeiger meiner Uhr leuchten blau auf! Die Orks sind schon
nah!" "Wir verstecken uns einfach", schlug Sam
vor. "Sie werden uns nicht finden." Doch es war
schon zu spät, denn die Orks standen bereits in der Tür
und betraten langsam die Werkstatt. Gandalf blickte ihren
Anführer verwundert an, ging auf ihn zu, um ihn näher
zu betrachten, und lachte dann. "Uruk - hi, wie geht´s?"
fragte er freudig. "Ich bin nicht Uruk, aber er ist ein
guter Freund von mir. Seine Freunde sind auch meine Freunde. So
seid willkommen."
Die
Orks nahmen sich sofort aller Gefährten an und laberten sie
mit irgendwelchen Geschichten voll, dass es ihnen bald auf die
Nerven ging. Sie verließen Balins Werkstatt und kamen
wieder in die Halle von Zwergenbinge. Gandalf ging neben dem
Anführer. "Was macht eigentlich... na, du weißt
schon... das Grauen von Moria?" Der Ork guckte
bestürzt. "Oh, Gandalf, es ist fürchterlich. Wie
sind ständig auf der Flucht vor ihm. Wir können nicht
eine Minute... oh nein, dieses Geräusch..." Ein
lautes Gurgeln durchstieß die Halle und ein rotgelbes Licht
war an deren anderem Ende zu sehen. "Balrog", schrie
der Orkanführer. Ein Aufruhr brach aus. "Balrog"
riefen alle durcheinander. Kreischend kletterten die Orks zu
Tausenden an den riesigen Säulen der Halle empor und waren
binnen Sekunden verschwunden. "Nein", klagte Gandalf
weinerlich. "Womit habe ich das verdient."
Kapitulierend wartete er, bis der feurige Balrog, der fast so
groß wie die Säulen war, bei ihm und seinen Freunden
war. Es wurde still, totenstill, noch nicht mal ein Atemzug war
zu hören.
"Onkel
Gandalf", brüllte Balrog. "Endlich kommst du mich
wieder einmal besuchen. Ich habe dich vermisst. Mit den Orks zu
spielen, ist langweilig, sie sind so scheu. Manchmal glaube ich,
sie gehen mir extra aus dem Weg. Aber da du nun hier bist, lass
uns doch fangen spielen. Ich zähle bis 20, dann suche ich
euch." "Gut, Balrog, bis 20." Gandalf schaute
in die Runde seiner Gefährten und zuckte die Achseln.
"Balrog ist mein Patenkind, jetzt starrt mich nicht so an...
Okay, ich wurde genötigt, ihn zum Patenkind zu nehmen,
verstanden? Mich nervt er auch tierisch, was glaubt ihr denn,
warum ich nicht durch Moria gehen wollte? Na gut, läßt
sich jetzt nicht ändern. Lasst uns abhauen, solange das Blag
noch zählt." "...14...13..." "Los,
folgt mir. Die Brücke von Khazad-dûm ist nah. Hinter
ihr liegt der Ausgang aus Moria."
Die
Gefährten verließen die Halle und rannten durch Gänge
und über schmale Brücken. "Ich komme", hörten
sie Balrog rufen. Daraufhin beschleunigten sie ihren Schritt noch
mehr, doch sie spürten, dass Balrog sie fast hatte. "Über
die Brücke", schrie Gandalf. "Und dann raus hier."
Der Zauberer betrat die Brücke von Khazad-dûm als
letzter, aber es war zu spät. Balrog stand hinter ihm. "Ich
hab euch", rief er. Er verharrte einen Augenblick, dann
lachte er. "Oh, Onkel Gandalf, ich bin so glücklich,
dich wiederzusehen." Balrog bückte sich und wollte den
Zauberer umarmen, doch Gandalf reagierte schnell und baute um
sich herum ein blauweißes Schutzschild auf, dass Balrog
zurückzucken ließ. "Das hat Spaß
gemacht, Onkel Gandalf, noch einmal, biiittte!" Balrog
sprang vor Freude auf und nieder. Dabei setzte er solche Kräfte
frei, dass der Boden unter ihm und ein Teil der Brücke
zusammenbrach und er in die Tiefe stürzte.
Gandalf
hielt inne und sah über das zerstörte Brückenende
hinaus in die Tiefe. "Na endlich", murmelte er. "Da
unten ins Kinderzimmer gehört er hin." - "Alles
paletti, Freun...", rief er laut, doch würgte er den
Satz ab, als er merkte, dass er in die Tiefe gezogen wurde.
Balrog! Mit Mühe konnte sich der Zauberer an der
Brückenkante festhalten, doch baumelte er nun über der
Tiefe. "Noch nicht gehen, Onkel Gandalf. Ich will noch
mit dir spielen", kam es von Balrog, der längst nicht
mehr zu sehen war - außer seiner Peitsche, die den
Verwandten bald hinter ihm her stürzen lassen würde. "Ich
kann mich nicht mehr halten", keuchte Gandalf in Richtung
der Gefährten. "Geht schon vor, es wird wohl hier noch
einige Zeit dauern, bis ich mich von Balrog loslösen kann.
Geht, ihr Glücklichen, und lasst mich Dummkopf hier
allein." "Gandalf!" schrie Frodo, doch Boromir
hielt den Hobbit zurück und der Zauberer stürzte in die
Tiefe. "Neeeeein!" "Kommt, wir müssen hier
weg, bevor Balrog nach weiteren Spielgefährten sucht!"
Aragorn führte die Gefährten zum Tor von Moria und
verließ mit ihnen die Minen. Hinter ihnen schloss sich das
Tor wieder und verhinderte, dass Balrog ihnen würde folgen
können.
Draußen
ließ sich Frodo auf dem unebenen Felsboden nieder und
weinte bitteren Tränen. "Aber Herr Frodo, warum
weinst du denn?" wollte Sam wissen. Frodo blickte ihn mit
tränenüberströmten Gesicht an und würgte
hervor: "Gandalf... er war der einzige, der einen
Pfeifenkrautvorrat bei sich hatte." "Nein",
schrie Sam, und Merry und Pippin und Gimli taten es ihm gleich.
Sie alle brachen in Tränen aus und Legolas sah ihren Schmerz
und tief in seinem Innern war er froh, dass sein Vater ihm das
Pfeifenkrautrauchen verboten hatte. Jetzt erst verstand er seine
Worte. "Legolas, wir müssen weiter. Gimli, kommt",
befahl Aragorn. "Gib ihnen einen Moment, Aragorn",
sagte Boromir. "Verstehst du denn nicht ihren Schmerz?" "Ich
bin doch selber süchtig, Boromir, und ich spüre, dass
weinen nichts bringt, wir müssen uns bewegen, um andere
Gedanken zu bekommen. Außerdem wird es hier bald von Orks
wimmeln. Sie werden versuchen, uns zurückzuhalten, um für
Balrog längerfristige Spielkumpanen zu bekommen. Willst du
das, Boromir?" Boromir verneinte stumm. Er half den
Hobbits beim Aufstehen und so setzten sie ihren Weg fort, der
noch lange nicht zu Ende war.
(Heike)
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